[ TEST ] INSIDE

Das kleine dänische Entwicklerstudio Playdead sorgte vor sechs Jahren mit dem düsteren Abenteuer Limbo für Aufsehen und heimsten jede Menge Lob ein. Jetzt, nach über fünfjähriger Entwicklungszeit, veröffentlicht das Studio mit Inside sein nächstes verstörendes Meisterwerk.

Ersteindruck

Wenn wir das nur rund 2GB große Spiel starten, werden wir direkt nahtlos ins Spielgeschehen verfrachtet. Auf ein Hauptmenu wurde komplett verzichtet. Einen auswählbaren Multiplayer, Schwierigkeitsgrad oder mehrere Speicherstände gibt es ohnehin nicht.

Wie schon in Playdeads Klassiker Limbo finden wir uns als kleiner Junge mitten im Wald wieder, dessen Grafik aus dunklen Konturen zu bestehen scheint und nur mit einzelnen Farbtupfern versehen ist. Die Vorgeschichte des Jungen kennen wir nicht, aber uns wird schnell klar, dass wir auf der Flucht sind. Wir werden Zeuge davon, wie scheinbar willenlose Menschen in LKWs abtransportiert werden, und dass Männer mit Taschenlampen die Umgebung nach uns absuchen, deren Lichtkegel bedrohlich in den Wald funkeln, begierig darauf weiteres Menschenmaterial zu finden.

Wir laufen zügig und zugleich vorsichtig darauf bedacht nicht aufzufallen durchs Unterholz. Bald schon werden wir aber dennoch bemerkt und unsere Jäger lassen ihre Hunde von ihren Leinen, die uns unablässig verfolgen. Diese Szenen erleben wir als Spieler atemlos und angespannt. „Was ist das nur für eine grausame, düstere Welt in die uns Inside verfrachtet?“ Das fragen wir uns bereits in den ersten Minuten des Spiels. Und auch bereits von Anfang an fiebern wir mit dem Jungen mit. Wir schließen die kleine Gestalt in unser Herz und möchten, dass er überlebt. Auch weil die Sterbe-Animationen besonders schonungslos gestaltet sind. Wenn die Männer uns in ihre Finger kriegen, wird dem kleinen Jungen gewaltsam der Mund zugehalten. Wenn uns die Hunde erreichen, dann werden wir von ihnen zerrissen. Playdead ist nicht zimperlich, wenn es um die Darstellung von Gewalt geht.

5 STERNE
5 von 5 Sterne

Gameplay

Wir steuern den Jungen in einer 2D-Kameraansicht durch die Welt und lassen Hindernisse durch Springen und Klettern hinter uns. Immer wieder hindern uns Physik- und Kombinationsrätsel am Weiterkommen. Die Rätsel sind dabei sehr clever und fließend in die Spielwelt eingefügt und nicht wirklich schwer gestaltet, sodass selbst nicht so begabte Spieler kaum Probleme am Weiterkommen haben sollten.

Die Passagen zwischen nervenaufreibenden Fluchtszenen und ruhigeren Sprung- und Entdeckerabschnitten sind dabei sehr angenehm ausgefallen. Inside verkommt damit nicht zu einer großen Hetzjagd. Aufgelockert wird das Gameplay, im späteren Spielverlauf, noch mit ausgedehnten Tauchabschnitten mittels U-Boot, die sich ebenfalls klasse anfühlen und sich nahtlos ins Spiel einfügen.

5 STERNE
5 von 5 Sterne

Grafik/Sound

Die Optik von Inside kommt sehr minimalistisch daher. Umgebungen werden oft nur durch ihre Konturen und Silhouetten dargestellt. Und dennoch wird dabei eine atmosphärische Tiefe erreicht, die wir auf diesem Niveau nur in ganz wenigen Spielen erleben können. Inside zieht uns unweigerlich in seine kalte, grausame Welt. Allein schon deswegen würden wir abraten, dass seelisch labile Menschen Inside spielen. Die Geschichte, die Inside in unsere Köpfe transportiert, ist eine intensive und düster-schonungslose Erfahrung, in der Hoffnungen erschaffen und gleich darauf wieder zerstört werden können.

Auch technisch haben Playdead viel Liebe zum Detail ins Spiel investiert. Glas und Holz splittert physikalisch korrekt. Licht und Schatten wird immer wieder auf clevere Weise eingesetzt und auch Wasser wird mit seiner ganzen schweren und bedrückenden Eigenheit dargestellt.

Der Soundtrack hält sich diffus im Hintergrund und fällt mit langgezogenen Klangmustern auf, die Inside besonders in den ruhigeren Passagen mehr Atmosphäre verleihen und uns Spieler nach einer nervenzerreisenden Verfolgung wieder beruhigen.

5 STERNE
5 von 5 Sterne

Fazit

best indie awardInside ist ein ungewöhnliches Meisterwerk, das in seiner komplexen dystopischen Schonungslosigkeit klar aus anderen Spielen heraussticht und eine bewegende Geschichte erzählt ohne dabei auch nur ein einziges Mal Text oder Sprache zu verwenden. Die Erzählkraft liegt einzig und allein in den starken Bildern, die wir präsentiert bekommen und im schonungslosen Gameplay und cleveren Rätseleinlagen, die sich untereinander fantastisch ergänzen. Inside ist ein wichtiges und mutiges Spiel, das jeder Spieler anders erleben und interpretieren wird und dessen Reise noch lange im Kopf nachwirkt.


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