[ TEST ] NIOH

Nioh, das neueste Spiel aus dem Hause Team Ninja (Ninja Gaiden Reihe), tritt in die Fußstapfen von Genregrößen  wie Dark Souls und Bloodborne und verspricht ein ebenso beinhartes Abenteuer zu werden. Ob sich Nioh einen Platz neben der vielgelobten Konkurrenz verdient hat, erfahrt ihr in unserem Test.

Ersteindruck

In Nioh schlüpfen wir in die Haut des englischen Seefahrers William Adams, der sich im 16. Jahrhundert ins damals abgeschottete Japan aufgemacht hat, um der erste Mann aus dem Westen zu werden, der die Künste der Samurai erlernt. Mr. Adams hat wirklich existiert. Auch die Hintergrundgeschichte, die in Nioh aufgegriffen wird, ist tatsächlich belegt. Dennoch benutzt Team Ninja die Figur des William Adams lediglich als Inspiration. Der weitere Spielverlauf ist daher vollkommen fiktiv.

Am ehesten lässt sich  das etwa 39 GB große Rollenspiel wohl  mit der Dark Souls Reihe vergleichen. Nioh glänzt mit erbarmungslosen Nahkämpfen, in denen wir selbst von kleineren Gegnern ruckzuck ins Jenseits befördert werden können. Wer sich ohne Geduld und Verstand in den Kampf stürzt, den wird Nioh bitter bestrafen. Alle Spieler, die eine Herausforderung ala Dark Souls suchen, werden mit Nioh sicher jede Menge Spaß finden.

4 STERNE
4 von 5 Sterne

Gameplay

Das Gameplay gestaltet sich trotz des knackigen Schwierigkeitsgrades als recht einsteigerfreundlich. Zu Beginn des Spiels werden wir in leicht verständlichen und fließend präsentierten Tutorials an die grundlegenden Kampfmechaniken herangeführt. Das Dojo, welches wir zwischen den Quests besuchen können, gibt uns darüberhinaus die Möglichkeit, unsere Kampffähigkeiten zu verfeinern und die Steuerung zu verinnerlichen.

Der Nahkampf ist das Herzstück in Nioh und gestaltet sich obendrein auch noch abwechslungsreicher und taktischer als in Dark Souls. Unterschieden wird  zwischen drei grundlegenden Kampfstilen: die hohe Kampfhaltung, die sich durch langsame, aber sehr mächtige Attacken auszeichnet. Die mittlere Kampfhaltung bietet ein ausgewogenes Verhältnis aus Kraft und Geschwindigkeit. Und zuletzt bietet die niedrige Kampfhaltung schnelle Kombos, die aber hohe Durchschlagskraft vermissen lassen. Zwischen den Kampfhaltungen können wir jederzeit und nahtlos wechseln, was nach kurzer Eingewöhnungszeit für wunderbar taktische Kämpfe sorgt.

Die unterschiedlichen Waffen wie Katana, Axt, Kette oder Speer spielen sich dabei erfreulich abwechslungsreich und sorgen dafür, dass wir neugierig jede gefundene Waffe auf ihre Tauglichkeit prüfen. Wenn wir einer bestimmten Waffe die Treue halten, werden wir wiederum mit mehr Vertrautheit belohnt. William ist nun sicherer im Umgang mit der Waffe, deren Attribute dadurch weiter steigen. Zusätzlich lässt sich das Prügelarsenal noch mit Schutzgeistern aufladen, die die wahre Macht der einzelnen Waffen entfesseln. Das ist auch bitter nötig, denn selbst Standardgegner stecken jede Menge Schaden ein, ehe sie sich geschlagen geben.

Zusätzlich stehen uns eine Palette von Fernkampfwaffen zur Verfügung, die in Pfeil & Bogen und Pistolen untergliedert sind. Die Schusswaffen erweisen sich dabei als äußerst nützlich, da ein gezielter Kopfschuss oft ausreicht, um einen der Yokai sofort zu Fall zu bringen. Besonders wenn wir mit drei oder mehr Feinden konfrontiert werden, empfielt es sich, die Gruppe aus sicherem Abstand auszudünnen.

Ein weiteres entscheidenes Kampfelement ist unsere Ausdaueranzeige. So flink und kampferprobt William auch sein mag, früher oder später geht ihm im Kampf die Puste aus – das hat mitunter gravierende Folgen: denn wenn unsere Ausdauer erst einmal den Nullpunkt erreicht hat, sind wir den Angriffen der Gegner beinahe schutzlos ausgeliefert und bewegen uns im Schleichschritt. Doch der Spieß lässt sich auch umdrehen, denn auch die Ausdauer der Gegner ist endlich. Wenn unsere Feinde in den Seilen hängen, markiert das für uns die ideale Gelegenheit einen vernichtenden Finisher hinzulegen und die Yokai zurück in die Unterwelt zu schicken.

Haben wir einen Feind besiegt, werden wir mit Amrita belohnt – quasi das Gegenstück zu den Seelen aus Dark Souls. Mit Amrita werten wir unsere eigenen Fähigkeiten weiter aus und werden dadurch noch stärker. Die Droprate an Items ist in Nioh recht hoch. Nahezu jeder zweite Gegner lässt nützliche Gegenstände und Waffen fallen, die wir in unserem Inventar verstauen. Leider geht im Inventar schnell die Übersicht verloren und wir sind gezwungen, umständlich einzelne Waffen miteinander zu vergleichen. Besonders zu Beginn des Spiels kann man sich leicht von der schieren Fülle an Items erschlagen fühlen. Ein Schnellwahl-Menu, dass wir mit dem Steuerkreuz mit bis zu acht Items befüllen können, rettet uns aus dem doch recht chaotischen Inventar.

Ein Element, in dem sich Nioh entscheident von seiner Konkurrenz unterscheidet, ist, dass wir die Story in Form von Haupt- und Nebenmissionen erleben, die uns bestimmte Aufgaben vorgeben und wir durch deren Abschluss mit weiteren Items belohnt werden. Eine Übersichtskarte weist uns erfreulicherweise den Weg zu den einzelnen Missionen. Sauer aufgestoßen ist uns allerdings, dass wenn wir eine Mission einmal begonnen haben, uns keine Möglichkeit gegeben wird, das Dorf aufzusuchen, um beispielsweise unsere gesammelten Items zu Geld zu machen, uns mit nützlichen Tränken auszustatten oder beim Schmied eine nützlichere Waffe zu erwerben. Da bleibt uns nur noch die Wahl, die Mission abzuschließen oder sie abzubrechen – in dem Fall gilt sie aber als gescheitert und wir müssen wieder von vorn beginnen.

Wie auch schon bei den Genre-Vettern Dark Souls und Bloodborne sind die Bosskämpfe das Highlight von Nioh. In regelmäßigen Abständen stellt sich uns ein übermächtiger Gegner in den Weg, der uns das Lebenslicht auspusten möchte. Die Bossgegner gestalten sich oft als überaus fordernd und treiben uns den Schweiß auf die Stirn und lassen unser Gamer-Herz höher schlagen. Die großen Gegner sind in Nioh äußerst spektakulär in Szene gesetzt. Spätestens jetzt wird unser ganzes Können auf die Probe gestellt. Ein falscher Schritt, eine kurze Phase der Unaufmerksamkeit und unser Gegenüber hat uns mit einem Hieb einen großen Teil der Lebenslinie gestohlen. Dabei sind die Angriffsmuster der Gegner sehr abwechslungsreich und sollten genau studiert werden. Wer hier heil herauskommen möchte, darf sich nur ganz wenige Fehler erlauben.

5 STERNE
5 von 5 Sterne

Multiplayer

Nioh ist vordergründig ein Singleplayer-Erlebnis, bietet aber auch einen Online-Multiplayer, der sich in drei verschiedene Modi aufspaltet. Da wäre zum einen der Co-Op Modus, in dem wir einen zufälligen Mitspieler oder aber einen Freund in unsere Welt rufen können, damit wir von ihm tatkräftig beim Gegnerschnetzeln unterstützt werden. Spätestens nachdem wir gemeinsam einen Bossgegner erledigt haben, endet die Co-Op Session und wir müssen erneut einen Spieler zu uns einladen. Auch wenn der Online-Begleiter zu oft ins Gras beißt, gilt die Co-Op Session als gescheitert und wir müssen uns wieder allein durchschlagen. In unserem Test funktionierte der Co-Op Modus sehr stabil. Ein Manko ist allerdings, dass unsere Mitstreiter oft ein deutlich höheres Level besaßen als wir, und die Spielbalance darunter gelitten hatte.

Das zweite Online-Feature ist, dass gestorbene Mitspieler in unserer Welt ein Grab hinterlassen, durch das wir seinen Geist beschwören können. Der Geist besitzt die gleichen Waffen und Fähigkeiten wie sein lebendiges Gegenstück und ist dementsprechend sehr schwer zu besiegen. Doch die Mühe lohnt sich, denn so ein Geist lässt nicht selten sehr wertvolle Items fallen.

Der PVP-Modus bildet die dritte Säule des Multiplayers. In ihm können sich Mitspieler im direkten Kampf miteinander messen. Der PVP-Modus ist zur Zeit noch nicht Bestandteil des Spiels, Team Ninja versichern aber, dass er schon bald als kostenloser DLC nachgereicht wird.

4 STERNE
4 von 5 Sterne

Grafik/Sound

Nioh befindet sich bereits seit 2004 in Entwicklung. Ein sehr stattlicher Zeitraum also. Grafisch sieht man dem Spiel dieses Alter durchaus an. Das Leveldesign ist abwechslungsreich und das feudale Japan des 16. Jahrhundert detailliert und phantasievoll in Szene gesetzt, doch gerade die Texturqualität ist matschig und definitiv nicht mehr zeitgemäß. Die Wassereffekte und die Lichteffekte sind ebenso unspektakulär, worunter die Atmosphäre leidet. Die Gegner, insbesondere die Bosse, sind wiederum mit viel Liebe zum Detail gestaltet und besitzen einen unverwechselbaren Charakter. Der Aufbau der Level ist gut durchdacht und lässt uns mit zahlreichen alternativen Routen viel Freiraum. Auch die Spielkamera leistet sich kaum Fehler und lässt uns immer einen übersichtlichen Blick auf unsere Umgebung werfen.

Der Sound besticht durch  eine glaubwürdige Geräuschkulisse, in der wir nahende Feinde anhand ihrer Schritte ausmachen können. Besonders das Klirren aufeinandertreffender Schwerter ist gut gelungen und erinnert uns an japanische Samuarai-Filme. Der Soundtrack bedient sich den melancholischen Klängen traditioneller Japanischer Musik und sorgt besonders in Gegner-Konfrontationen für viel Atmosphäre.

3 STERNE
3 von 5 Sterne

Umfang

Der Umfang von Nioh ist riesig. Mindestens 70 Stunden braucht es, um die Story von Nioh abzuschließen. Aber selbst wenn wir diese Zeit überschritten haben, warten noch zahlreiche Nebenmissionen auf uns, Trophäen die gesammelt werden möchten und Freunde, mit denen wir uns gemeinsam einen der zahlreichen Bosse stellen. Nioh dürfte zweifellos eines der umfangreichsten Spiele sein, die die PS4 zu bieten hat.

5 STERNE
5 von 5 Sterne

Fazit

bronze-awardNioh ist ein rundum gelungenes Spielehighlight, dass den Genre-Vettern Dark Souls und Bloodbourne das Wasser reichen kann und dabei nicht wie eine billige Kopie wirkt, sondern es auch schafft, eigene spielerische Akzente zu setzen. Besonders die vielseitigen Kampfstile und Taktiken überzeugen auf ganzer Linie und verwandeln Nioh in ein überaus herausforderndes Abenteuer, das sich gut anfühlt und Spaß macht. Die Multiplayer-Elemente  sind in dieser Form zwar schon aus anderen Spielen bekannt, sind aber ebenso gut umgesetzt und bereichern das ohnehin schon ungeheuer umfangreiche Spiel um weitere Nuancen.


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2 Kommentare zu “[ TEST ] NIOH”

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