[ TEST ] Aven Colony

Mit Aven Colony bringt uns Team 17 eine futuristische Aufbausimulation auf die PlayStation 4. Wir haben uns das ganze mal etwas genauer für euch angeschaut.

Ersteindruck

Im ersten Moment könnte man meinen, Aven Colony kombiniert das Gameplay großer Aufbausimulationen mit einem interessanten Science Fiction-Setting. Aber schon nach kurzer Zeit wird klar, dass das Spiel maximal an der Oberfläche einer durchschnittlichen Aufbausimulation kratzt. Die geringe Spieltiefe und die auf das absolut nötigste eingedampfte Komplexität werden sehr schnell klar.

Sobald die Kolonie steht, geht es eigentlich nur noch um die Verwaltung.
Sobald die Kolonie steht, geht es eigentlich nur noch um die Verwaltung.

Das kurze Tutorial, das ihr in 2 Teilen absolvieren müsst, bringt euch die ersten Schritte für den Bau einer eigenen Kolonie auf einem lebensfeindlichen Planeten bei. Hier fehlt mir allerdings schon ein wenig die Erklärung zu den wichtigsten Gebäuden und deren genauer Funktionsweise. Denn wie in der Zukunft üblich, sieht eine Mühle nicht wie eine Mühle aus, sondern irgendwie futuristisch. und reicht eine Mühle allein aus, um meine Kolonisten zu versorgen? Brauche ich zwingend noch zusätzliche Gebäude um Nahrung herzustellen oder weiter zu verarbeiten? Hier hätte ein wenig mehr Information nicht geschadet, denn in den ersten Stunden verbringt man dadurch leider sehr viel Zeit damit, sich durch die einzelnen Gebäude zu klicken um herauszufinden, welches Gebäuden nun genau was macht und wie man die gestellten Aufgaben erfüllt.

3 von 5 Sterne

Gameplay

Da Aufbausimulationen ja eigentlich eher auf dem PC zu Hause sind, ist die Steuerung bei Konsolenumsetzungen oft etwas umständlich. Um so schöner ist es, dass man sich bei Aven Colony offenbar ein paar Gedanken gemacht hat, um die Steuerung so angenehm und unkompliziert wie möglich zu gestalten. Die Menüs sind in der Regel über 1-2 Tastendrucke erreichbar und beschränken sich dabei auf die nötigsten Informationen. Das sorgt für gute Übersicht. Und wer in Ruhe lesen will, ohne etwas im Spiel zu verpassen, kann jederzeit das Spiel pausieren und sich alles in Ruhe durchlesen und seine nächsten Schritte planen.

Die Menüs liefern alle nötigen Infos sehr übersichtlich.
Die Menüs liefern alle nötigen Infos sehr übersichtlich.

Sobald die ersten Gebäude stehen und eure Kolonisten beginnen ihrer Arbeit nachzugehen, könnt ihr anfangen die Gebäude zu verwalten. Ihr könnt z.B. festlegen ob viele oder wenige Kolonisten in einem Gebäude Arbeiten soll. Das hat Einfluss darauf, wie effektiv das Gebäude ist, aber auch darauf, wie zufrieden eure Kolonisten sind. Dazu kommen noch Faktoren wie z.B. die Länge des Arbeitsweges, die Luftqualität und die Qualität der Nahrung. Das alles gilt es möglichst gut in den Griff zu bekommen, denn sonst werdet ihr beim nächsten Referendum von euren Kolonisten abgewählt und das Spiel ist vorbei.

Das klingt in der Theorie aufwändig und komplex, aber in der Praxis beschränkt sich das Zufriedenstellen der Kolonisten auf einfachste Mechaniken, die keinerlei Herausforderung darstellen. Ein wenig mehr Tiefe im Gameplay hätte Aven Colony sehr gut getan, denn schon nach kurzer Zeit hat man die nötigsten Schritte im Kopf und macht sie praktisch automatisch. Die fehlende Herausforderung ist vor allem für die Langzeitmotivation nicht förderlich.

Ein einfaches Overlay zeigt euch die Effektivität einzelner Gebäude.
Ein einfaches Overlay zeigt euch die Effektivität einzelner Gebäude.

Auch das Verteidigen der Kolonie gegen alles was einem so auf einer lebensfeindlichen Welt begegnen kann, bleibt unspektakulär. Im Grunde reicht es vollkommen, eine „Verteidigungsanlage“ zu bauen und das war es dann schon. Es ist nicht mal nötig, seine Anlagen in irgendeiner Form strategisch besonders sinnvoll zu platzieren. Einfach so hinstellen, dass ein möglichst großer Teil der Kolonie im Verteidigungsradius liegt und fertig. Wenn alles vorbei ist, werden nur noch kleinere Reparaturen an den beschädigten Gebäuden durchgeführt und alles geht wieder seinen gewohnten Gang. Auch hier verschenkt das Spiel einiges an Potential.

3 von 5 Sterne

Grafik/Sound/Technik

Optisch gibt es auch ein paar Punktabzüge. Die Planeten sehen zwar toll aus, bieten Abwechslung und auch die Gebäude und Bauwerke in den Kolonien haben einen tollen futuristischen Look, der auch von Nahem wirklich überzeugt. ABER! Trotz der im Grunde schönen Optik, hat Aven Colony hier eine große Schwäche. Es wirkt irgendwie leblos, fast Seelenlos. In einer aufstrebenden Kolonie auf einem fremden Planeten würde man emsiges Treiben erwarten. Kolonisten, die den ganzen Tag durch die Tunnel laufen, die als Verbindung zwischen den einzelnen Gebäuden dienen. Doch auch in der höchsten Zoomstufe ist hier eher wenig los. Mir fehlt hier das wilde Gewusel der Leute, das emsige Treiben, das beim Bau einer solchen Kolonie herrschen müsste.
Von Eis- bis Wüstenplaneten sind praktisch alle denkbaren Umgebungen vorhanden.
Von Eis- bis Wüstenplaneten sind praktisch alle denkbaren Umgebungen vorhanden.

Der Sound ist zwar nicht sonderlich spektakulär, passt aber immer zum Spielgeschehen. Die Hintergrundmusik hat was von typischen Weltraum-Erforschungs-Spielen, bleibt dabei aber schön dezent und unterstreicht Atmosphäre. Gelegentlich kommt es jedoch vor, dass Warngeräusche, wenn z.B. eine Aufgabe erfüllt wurde oder Gefahr droht, in all dem Anderen Gefiepse und Gepiepe untergeht. Zwar bekommt man so etwas auch in Form eines Icons angezeigt, aber eine etwas dezentere Geräuschkulisse wäre gut gewesen.

Technisch kann man sich an sonsten nicht beschweren. Es gab keine Bugs oder Glitches, die als solche zu erkennen gewesen wären. Kein Ruckeln, keine Framerate-Einbrüche oder ähnliches. Von daher gibt es hier auch nichts erwähnenswertes.

Zum Schutz der Kolonie reichen einfache Schutz- und Verteidigungsanlagen.
Zum Schutz der Kolonie reichen einfache Schutz- und Verteidigungsanlagen.
3 von 5 Sterne

Umfang

Was den Umfang des Spiels angeht, kann man sich fast streiten. Neben dem freien Modus, in dem ihr so lange bauen könnt, wie ihr wollt, gibt es auch eine Kampagne, in der ihr eine Reihe von Missionen erfüllen müsst, um eine als erfolgreich angesehene Kolonie zu errichten. Angeleitet werdet ihr dabei von einem Instructor, der euch auch die verschiedenen Missionen gibt. Angefangen von „Baue Gebäude X“ bis „Exportiere Ware Y“ ist das übliche Kleinzeug an typischen Missionen vertreten. Auf jedem Planeten kommen jedoch auch Missionen vor, die auf eben diesen zugeschnitten sind. So müsst ihr beispielsweise ein unbekanntes Bauwerk erforschen. Das alles ist für eine Weile ganz unterhaltsam, nutzt sich aber leider auch sehr schnell ab, da sich die „normalen“ Missionen ständig in leicht geänderten Varianten wiederholen.

Nach Abschluss eines Planeten in der Kampagne werdet ihr zu einem neuen Planeten geschickt.
Nach Abschluss eines Planeten in der Kampagne werdet ihr zu einem neuen Planeten geschickt.

Was verschiedenen Umgebungen angeht, kann man nicht meckern. Es gibt Dschungelplaneten, Wüstenplaneten, Eisplaneten … usw. Im Grunde alles, was man an Umgebungen so erwarten könnte. Auch die Gebäudearten passen zum Setting und beschränken sich auf das, was man tatsächlich beim kolonisieren eines Planeten brauchen könnte. Dazu kommt ein einfaches System für Jahreszeiten, das z.B. dafür sorgt, dass im Winter die Farmen keine Nahrung produzieren können und Solaranlagen nur noch halb so produktiv sind und wir entsprechende Vorräte und Alternativen bereitstellen müssen. Alles in allem ist das aber etwas mager. Vor allem im Vergleich zu anderen Spielen dieser Art.

Wie effektiv ein Gebäude arbeiten wird, wird euch vor dem Bau gezeigt.
Wie effektiv ein Gebäude arbeiten wird, wird euch vor dem Bau gezeigt.

Was die spielerischen Inhalte angeht, hat Aven Colony seine wohl größten Schwächen. Ist es anfangs noch interessant und spaßig die Kolonie aufzubauen und den Kolonisten eine schöne Umgebung zu erschaffen, so nutzt sich dieser Spaß leider schnell ab. Sobald das wichtigste gebaut ist, geht es eigentlich nur noch um das Verwalten und Micromanagement. Hier und da baut man dann noch das Xte Gebäude der selben Art um den Bedarf zu decken, aber das war es dann auch schon. Sicher geht es beim Bau einer Kolonie nicht darum einen Preis für Kreativität zu gewinnen, aber etwas mehr Abwechslung und Möglichkeiten zur Gestaltung der Kolonien wäre nicht verkehrt gewesen, denn irgendwie sieht jede neue Kolonie genau so aus, wie die davor und die davor … Das gilt sowohl für das Aussehen, als auch für die Verwaltung der Kolonie. Zusammengefasst könnte man sagen: „Spielerische Abwechslung: Fehlanzeige“.

3 von 5 Sterne

Fazit

Wer mit dem Genre nicht vertraut ist und erstmal einen zaghaften Blick drauf werfen will, der kann mit Aven Colony eigentlich nichts falsch machen. Es ist einfach zu erlernen, ist nicht zu komplex und bietet dank der vielen wählbaren Schwierigkeitsgrade auch die ein oder andere Herausforderung. Darüber hinaus sieht es gut aus und macht technisch und spielerisch vieles richtig. Eingefleischte Genre-Experten, -Liebhaber und -Profis dürften allerdings schnell unterfordert sein, denn besonders was Inhalt und spielerische Möglichkeiten angeht, hält sich Aven Colony, gemessen an anderen Simulationen wie z.B. Anno, in sehr überschaubaren Grenzen.

3 von 5 Sterne

Getestet wurde die Spielversion 1.01 auf der PlayStation 4 Pro.


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