EA’s LOOTBOX-DEBAKEL – Das Erwachen der Community

Lootboxen und vergleichbare Systeme standen in den letzten Jahren immer wieder in der Kritik. Aber so richtig gekracht hat es bis jetzt noch nie. Electronic Arts hat nun die „Macht“ der Community zu spüren bekommen und steht einem Shitstorm gegenüber, der sich gewaschen hat.

Das Lootbox-Dilemma

Nachdem EA bereits lange vor dem Release von Star Wars Battlefront II angekündigt hat, dass es keinen Season Pass geben soll, war klar, dass es andere Finanzierungsmodelle geben wird. Das man das mit Lootboxen oder ähnlichem realisieren wird, war allen auch ziemlich schnell klar. Aber mit dem was dann passierte, hat man wohl weder bei Electronic Arts noch bei DICE gerechnet. Denn die in Battlefront II integrierten Lootboxen, die das Spiel weiter finanzieren sollten, fliegen den Verantwortlichen jetzt ordentlich im die Ohren.

Hier nochmal eine kurze Zusammenfassung des Sachverhaltes:
Electronic Arts und DICE haben sich bei Star Wars Battlefront II dazu entschieden, anstatt eines Season Passes, ein Lootbox-System zum Einsatz zu bringen. Damit sollte sichergestellt werden, dass niemand ausgeschlossen wird, wenn er z.B. einen bestimmten DLC nicht besitzt. Die Lootboxen sollten dabei die Finanzierung sichern. So weit so gut.

Aber schon in der BETA sind einige Stimmen laut geworden, dass die Inhalte der Lootboxen womöglich zu viele Items enthalten, die einen spielerischen Vorteil verschaffen können und das die, die zusätzlich Geld ausgeben, sich diese Vorteile praktisch erkaufen können. Die ersten Pay-2-win-Vorwürfe wurden in den Raum geworfen. Aber da es nunmal eine Beta war, haben EA und DICE angekündigt, dass man das Feedack der Community für Verbesserungen nutzt. Die Kritiker waren also erstmal zufrieden.

Doch nachdem die ersten schon vor Release, z.B. in EA Access oder Origin Access, das fertige Spiel spielen konnten, brach ein Shitstorm los, den es in diesem Ausmaß wohl noch nicht gegeben hat.

Natürlich kann man sich sämtliche Inhalte der Lootboxen auch erspielen, aber der hohe Zeitaufwand soll die Spieler dazu bewegen, doch den ein oder anderen zusätzlichen Euro in die Hand zu nehmen um schneller voran zu kommen. An für sich ist der Versuch, die Spieler zum Kauf der Boxen zu animieren nicht verwerflich. Allerdings wurden auch Vorwürfe laut, dass das Matchmaking-System bewusst dazu genutzt wird, „schwächere“ Spieler eben gegen die antreten zu lassen, die dank der Lootboxen bereits bessere Waffen und Ausrüstung besitzen, damit die unterlegenen einen noch höheren Anreiz haben Lootboxen zu kaufen, damit sie wieder mithalten können. Zweifelsfrei bestätigen lassen sich diese Anschuldigungen zwar nicht, aber die Häufigkeit derartiger Meldungen ist schon etwas seltsam.

Der Vorwurf der Community wird ziemlich deutlich:

Jemand der Geld für Lootboxen ausgibt, hat einen deutlichen Vorteil gegenüber denen, die sich die Inhalte ohne zusätzliche Ausgaben mühsam erspielen und dabei in der Regel für lange Zeit das „Opfer“ sind. Die Balance zwischen dem Zeitaufwand beim Erspielen und den Kosten für das Erkaufen der Lootbox-Inhalte ist völlig daneben gegangen. Das so etwas dem Spielspaß enorm schadet und Frust aufkommen lässt, weil mal sich auf gut deutsch „verarscht“ vorkommt, sollte selbst EA und DICE klar sein.

Die bisherigen Statements und Erklärungen von EA und DICE sind bisher allerdings wenig zufriedenstellend. Man bekommt den Eindruck, dass das Kernproblem von den Verantwortlichen entweder gar nicht erkannt wird, oder dass man einfach nur versucht die Community ruhig zu stellen. Viele der Erklärungen klingen widersprüchlich und stellenweise inhaltsleer. Es wird viel gesagt, ohne etwas damit auszusagen.

Die Angelegenheit hat inzwischen schon so hohe Wellen geschlagen, dass sich die belgische Glücksspielbehörde eingeschaltet hat. Hier soll geprüft werden, ob das Lootbox-System die Kriterien für illegales Glücksspiel erfüllt. Dabei ist nicht nur EA ins Visier der Behörde geraten, sondern auch andere Entwickler die Lottboxen anbieten, wie z.B. Blizzard im Fall von Overwatch.
Es ist zwar eher unwahrscheinlich, aber sollte hier tatsächlich festgestellt werden, dass das System (wenn auch nur in Teilen) als Glücksspiel anzusehen ist, könnte das für die gesamte Videospielbranche weitreichende Folgen haben. In erster Linie natürlich für Entwickler, die solche Systeme nutzen. Und auch auf die Gefahr hin, hier wertend zu klingen: Vielleicht ist ein solcher Paukenschlag tatsächlich mal nötig, um die immer weiter ausufernde Lootbox- und Mikrotransaktions-Flut der Entwickler zu stoppen.

Blizzard hat es sich in dem Zusammenhang nicht nehmen lassen, EA mit einem kleinen Werbespott für StarCraft II auf die Schippe zu nehmen.

Aktuell hat man die Mikrotsansaktionen sogar komplett aus Star Wars Battlefront II entfernt, um das System nochmal komplett zu überdenken und zu überarbeiten und ein wenig Feuer aus der Diskussion zu nehmen. Diese wird nämlich leider wieder durch einigen Deppen (ich würde gern ein anderes Wort nutzen, aber das ist ja hier kein Gangster-Rap) von persönlichen Beleidigungen, Anfeindungen und sogar Morddrohungen gegen einzelne Entwickler überschattet.

Aus unserer Sicht war es nur eine Frage der Zeit, bis ein Entwickler/Publisher den einen Schritt zu weit geht und auch den überzeugteste Fan gegen sich aufbringt. Electronic Arts und DICE haben sich mit der Angelegenheit keinen großen Gefallen getan, haben aber dafür zu spüren bekommen, dass die Community doch nicht alles mit sich machen lässt.

Anmerkung:
Uns ist klar, dass es nicht der „kleine Mann“ aus dem Entwicklerteam ist, der für diesen Mini-Skandal verantwortlich ist. Viel mehr sollten die Verantwortlichen in der Chefetage darüber nachdenken, ob sie zukünftige Entscheidungen weiterhin nur im Sinne des eigenen Geldbeutels, oder doch lieber im Sinne des Spielers treffen wollen.

Fazit

So leid uns die Kollegen bei EA und DICE auch tun, es war abzusehen, dass es irgendwann zu einem Aufstand der Community kommt. Und es war auch absolut notwendig. Die DLC- und Mikrotransaktionsploitik der Entwickler und Publisher hat in den letzten Jahren immer abstrusere Ausmaße angenommen und die Spieler haben es, bis auf einige wenige, schweigend geduldet. Der Fall zeigt, dass auch wir unsere Schmerzgrenze haben. Und die ist erreicht. Bleibt nur zu hoffen, dass die Angelegenheit den Verantwortlichen eines ins Gedächtnis zurück holt: Ein zufriedener Spieler ist wertvoller, als einer der nur ein einziges mal etwas kauft und vielleicht nie wieder kommt.


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