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[ TEST ] LIFE IS STRANGE 2: Episode 1 – Roads

Life is Strange 2: Roads – so der Titel der ersten von fünf Episoden der indirekten Fortsetzung des 2015 erschienen Überraschungs-Hits. Wir lassen den Serienauftakt des storygetriebenen Abenteuers für euch Revue passieren und verraten euch, ob Life is Strange 2 so packend unterhalten kann, wie es das Original drei Jahre zuvor es konnte.

Ersteindruck
Fassade und Wirklichkeit

Mit Life is Strange schuf die kleine Entwicklerschmiede DONTNOD Entertainment einen echten Erfolg. 2015 verfolgten wir das gewöhnliche Leben von Chloe und Rachel, die in einer US-Amerikanischen Kleinstadt ein ganz normales Teenager-Leben führten. Erst bei genauer Betrachtung fällt auf, dass das vermeintlich behütete Leben der beiden nur Fassade ist und die Bewohner der Kleinstadt-Idylle alle ihr Päckchen zu tragen haben.

Angelehnt an den Erfolg der Telltale-Spiele, bekamen wir die Story von Life is Strange häppchenweise serviert. In fünf einzelnen Episoden durften wir diese dramatische Geschichte erleben. Und was uns da an Schicksalen geboten wurden. Vielschichtig und mutig wurden wir mit erstaunlich ernsthaften Themen konfrontiert, die sich noch kaum ein Videospiel auszusprechen getraut hatte. Mobbing, Selbstmord, sexueller Missbrauch und Ausgrenzung erlebten wir durch die Augen von Chloe. Nach jeder der fünf Episoden blieben wir mit einem Klos im Hals zurück.


Gameplay
Packend und Gesellschaftskritisch

Life is Strange 2 greift die gleiche Dramatik auf, die auch den ersten Teil so auszeichnete und trotzdem ist es nur eine indirekte Fortsetzung und sollte unabhängig vom Vorgänger behandelt werden. Warum ist das so? Nun, weil Life is Strange 2 uns in das Leben zweier neuer Protagonisten verfrachtet. Die Geschichte um Chloe und Rachel ist erzählt, aber fernab davon existieren noch weitere besondere Schicksale. So auch das Leben von Sean Diaz.

Sean ist ein sechszehnjähriger Teenager, der im Vorort der Washingtoner Großstadt Seattle lebt. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Daniel und seinem alleinerziehenden Vater lebt Sean ein bescheidenes und durchschnittliches Leben. Halloween steht vor der Tür und Sean und seine beste Freundin Lyla unterhalten sich über die anstehende Party. Die Welt von Life is Strange 2 gibt uns dabei unzählige Interaktionsmögichkeiten mit der Spielwelt. So können wir einen genauen Blick auf den Inhalt der Schultasche von Daniel werfen und bekommen einen guten Einblick darauf, wie er überhaupt tickt. Wenn wir uns im Haus der Familie Diaz umsehen, erkennen wir, dass der Vater hart dafür arbeitet, seine beiden Söhne ein gutes Leben zu ermöglichen. Doch auch er hat Probleme, die anstehenden Rechnungen zu bezahlen, wie wir durch die Mahnbriefe herauslesen können, die auf dem Küchentisch liegen. Das sind alles nur Kleinigkeiten in der Welt von Life is Strange 2, die wir genauso gut ignorieren könnten, doch sind es besonders Kleinigkeiten wie diese, die der Immersion und der Handlung eine glaubwürdige und packende Tiefe verleihen, die uns näher an das Leben von Sean, Daniel und seinem Vater heranführen.

In unheimlich gut geschriebenen Dialogen führen die Protagonisten charmante Gespräche. Wenn Lyla beispielsweise kumpelhaft darüber stichelt, dass Daniel doch endlich seinen Schwarm ins Bett kriegen muss und wir für die Party schonmal Kondome einpacken sollte, dann wirkt das überraschend locker, unterhaltsam und nah am Leben.

Doch so unbeschwert bleibt das Leben Daniels natürlich nicht. Etwas geht vollkommen schief und plötzlich befinden sich Daniel und sein kleiner Bruder auf der Flucht. Allein und abgeschnitten von allen Menschen, die sie kennen und lieben. Und so streifen wir durch die weiten Nadelwälder Washingtons nur mit den Kleidern ausgestattet, die wir am Körper tragen und unseren Rucksäcken. Wo werden wir die Nacht über Schlafen? Wie kommen wir an unsere nächste Mahlzeit? Und wie lange wird unser Geld noch ausreichen? Das Leben kann sich durch einen Schicksalsschlag auf dramatische Weise verschlechtern. Davon erzählt uns Life is Strange 2. Und vor allem vom offenen Rassismus, wie er in der Ära Trump mehr denn je vorherrscht. Denn Life is Strange 2 ist auch ein politischer Abgesang auf die aktuelle Gesellschaft. Sean und Daniel Diaz sind ihrerseits Amerikaner mit mexikanischem Migrationshintergrund und aus diesem Grund dauert es nicht lange, bis wir auf unserer Reise mit Polizeigewalt und rassistischen Anfeindungen konfrontiert werden.

Doch detaillierter wollen wir die Geschichte an dieser Stelle nicht anreisen. Die Handlung von Life is Strange lohnt sich, dass man als Spieler selbst in sie eintaucht.


Grafik / Sound
Ein deutlicher Sprung

Als wir Life is Strange 2 zum ersten mal gespielt haben, viel uns direkt auf:  Das sieht richtig schick aus! Wie schon im Vorgänger bedient sich DONTNOD einer eher zeichentrick-artigen, verspielten Optik. Doch diesmal wurde deutlich an der Detailfülle geschraubt. Überall gibt es kleine Einzelheiten zu entdecken. tollen Lichteffekte tauchen die Umgebungen in eine einmalige Atmosphäre. Die Charaktere und Objekte wirken insgesamt feiner Gezeichnet.

Der Sound zeichnet durch tolle Dialoge aus, die von den englischen Sprechern außerordentlich stark vertont sind und den Darstellen viel Glaubhaftigkeit geben. Jeder, der nicht der englischen Sprache mächtig ist, muss sich mit deutschen Untertiteln begnügen. Darüberhinaus glänzt auch Life is Strange 2 wieder mit einem hervorragenden Soundtrack aus Rock und Pop, die eher aus der alternativen Ecke stammen und direkt ins Ohr gehen. So haben The Streets einen musikalischen Auftritt, genauso wie Phoenix, von denen das Titellied stammen.


Umfang
Wie es von einem Episodenspiel zu erwarten ist

Life is Strange 2 ist ein Episoden-Spiel. Das heißt, dass zur Zeit nur die erste von fünf Episoden erschienen ist. Die nächsten Episoden spinnen die Story weiter und werden innerhalb der nächsten Monate nach und nach erscheinen. Die erste Episode „Roads“ dauert etwa zweieinhalb bis drei Stunden.


Fazit
Vielversprechender Auftakt 

Life is Strange 2 besitzt alle Elemente, die der erste Teil zu so einem besonderen Erlebnis haben werden lassen. Es ist gut erzählt, menschlich, mutig und lebensnah. Die erste Episode „Roads“ führt uns an die beiden Brüder Daniel und Sean heran. Ihre prekäre und schicksalsschwere Lage, sowie ihre komplizierte Beziehung zueinander wird eindringlich und in ruhigen Momenten erzählt.

In den nachfolgenden Episoden wird sich zeigen, ob uns die Diaz-Brüder so sehr ans Herz wachsen werden wie Rachel und Chloe.

Anmerkung: Da dies lediglich die erste aus fünf Episoden ist, behalten wir uns eine abschließende Testwertung bis zum Erscheinen des gesamten Spiels vor.


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