Spiele Test

[ TEST ] RED DEAD REDEMPTION 2 – Spiel mir das Lied vom Tod !

Im Jahre 2010 brachte Rockstar Games das Spiel Red Dead Redemption auf die Konsolen. Nun, acht Jahre später erschien der langersehnte Nachfolger. Ich habe mich somit auf meinen Sattel geschwungen und den Controller in die Hand genommen, um für euch meine Eindrücke in diesem Review zu schildern.

Das Spiel wurde von mir auf der PlayStation 4 Pro samt Samsung 4K/ HDR Fernseher gespielt. Zum Zeitpunkt des Tests lag mir der Patch 1.02 vor und mit satten 98,15 GB ist das Spiel auch nicht gerade platzsparend auf der Festplatte. Für die Audiowiedergabe verwendete ich zum einen ein Heimkinosystem oder das MMX 300 Headset samt Sound BlasterX G5.

Ersteindruck

Men without harmonica

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Es ist Arthur Morgan mit der van der Linde Gang! So wird mir der Prolog eröffnet, in einer doch nicht gerade kuscheligen Welt, von Schnee bedeckten Bergen, der Wind peitscht einem eiskalt in das Gesicht, die Hand ist kaum vor den eigenen Augen sichtbar. Sonne, Western oder gar Indianer? Alles wohl doch kein Western Epos! In einer kleinen Gruppe fliehe ich mit kalten Händen, in eine alte verlassene Stadt und so führt mich Rockstar in das Spiel ohne dabei das Wort „Tutorial“ nur einmal zu erwähnen.

Ich schlüpfe in die Rolle eines nicht ganz so berühmten Revolverhelden, der weder auf Rache aus ist, noch mit einer Mundharmonika für ein typisches Wilder Westen Gefühl sorgt. Red Dead Redemption 2 öffnet sich langsam, kann mich aber jetzt schon fesseln. Sicherlich bin ich heiß auf die riesige offene Welt, die vielen Abenteuer & Entdeckungen und schon jetzt spüre ich in mir diese Spannung aber auch Ungeduld. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, ob sie einmal gut oder böse für mich enden wird, dass wird sich zeigen…


Gameplay

…mein Pferd will nicht so recht !

Amerika 1899, der Wilde Westen wird mit Gesetzen gezähmt und die glorreichen Zeiten einstiger Revolverhelden scheint sich dem Ende zu neigen. Ich bin Arthur Morgan, ein typischer Cowboy mit einem Revolver, Mitglied der van der Linde Bande. Eingehüllt in einen dicken Wintermantel mache ich mich durch den Tiefschnee, um das Überleben aller zu sichern. Doch es ist schwieriger als gesagt: Die Belegung einzelner Interaktionen kommt mir nicht gerade entgegen und so wühle ich mich durch die Einstellungen, welche mich auch nicht gerade glücklicher machen. Rockstar ging hier seinen eigenen Weg, alleine, dass die Karte nur über die Optionstaste statt der riesigen Touch-Taste zu erreichen ist, sorgt für einen ständigen Besuch des Menüs. Auch dieser Dauerdruck statt kurzem Drücken zieht die Zeit der Auswahl in die Länge. Es wäre alles halb so wild würde sich nicht eine gewisse Trägheit bemerkbar machen. Ein schneller Ritt durch einen Wald kann somit ganz gekonnt am Baum enden. Alles halb so wild, denn mit dem Fortschreiten der Geschichte komme ich immer mehr zu Rande und selbst das bekannte Waffenrad lächelt mich vermehrt an. So ballere ich zwar ab und zu noch einen nieder, dabei wollte ich denjenigen nur ansprechen und so sehe ich mich vermehrt mit den Gesetzeshütern konfrontiert. Diese scheinen auch gleich eine Druckerei in der Nähe zu haben und verhängen zu schnell ein Kopfgeld auf mich. Doch in der Ruhe liegt die Kraft und in der Kraft die Flucht vor Begegnungen.

Die Zeit heilt bekannter Weise alle Wunden und die ersten Aufgaben der Story sind ein wahrer Erfolg. Ein grandioser Zugüberfall oder gar ein spektakulärer Gefängnisausbruch mit wilder Ballerei bringen dann endlich den Wilden Westen auch in mein Herz. Ich bin Arthur Morgen und will einmal der letzte berühmte Revolverheld werden oder doch lieber der netteste Siedler? Ich habe die Qual der Wahl und jede Aktion spiegelt mein Karma wieder. Gut oder böse?

Red Dead Redemption 2 bietet mir kein offensichtliches Skill-System oder Baum. Es läuft alles ein wenig im Hintergrund ab, was ich bereits von GTA V her kenne. Je länger ich laufe, umso höher wird meine Ausdauer, je mehr ich esse, umso stabiler werde ich, je mehr gekonnte Kills ich mache, desto zielsicherer werde ich. Es gibt eigentlich nur drei relevante Elemente im Spiel. Das ist die Gesundheit, die Ausdauer und das Dead-Eye. Alle werden von einem Kern geprägt und sind auch umhüllt. Je nachdem, was ich Arthur einwerfen lasse, erhöhen sich dessen Werte oder mit jeder nicht geglückten Aktion verringern sich diese.  Gleiches gilt natürlich für mein Pferd, denn hier zählt neben diesen Dingen auch die Freundschaft. Wobei ich schon gleich am Anfang versagt habe. Mein erstes Pferd hieß Jaqueline und wurde vom „Eisernen Ross“ getötet, ich habe es auf den Gleisen stehen lassen. Möge es in Frieden ruhen.

Mit dem Fortschreiten der Story eröffnen sich auch neue Perspektiven für mich im Spiel und um ganz ehrlich zu sein, anfänglich bin ich wohl doch eher ein „Greenhorn“ und mausere mich in den Tiefen der weiten Landschaft zu einem erfolgreichen Großwildjäger. Dabei dient alles auch einem Zweck, ob hier nun neue Kleider geschneidert werden können oder ein schicker Bettvorleger das Resultat meiner Jagd ist. Gegen eine schicke Tasche hatte ich dann auch nichts zu meckern und ein Fisch auf dem Tisch bringt mich wieder zu Kräften.

Der Spieler selber entwickelt sich parallel zum Gameplay. Der anfängliche vorsichtig agierende, meist nur reagierende Neuling, wird zu einem schnell ziehenden Revolverhelden. Wie sich jeder letztendlich selber entscheidet, liegt ganz an einem selber.


Grafik/ Sound/ Technik

etwas hin und her gerissen 

Ehrlich gesagt, läuft das Bild auf der Xbox One X bei diesem Spiel ja im wahren 4K und dennoch bin ich sehr angetan von dem Erscheinungsbild auf der PlayStation 4 Pro. Dank HDR wirken zudem die Farben wesentlich kräftiger, auch wenn ich vorab von der vorgeschlagenen Einstellung Abstand nehmen musste. Meine HDR Einstellung steht aktuell bei einem Wert von 150. Dazu kommt wohl, dass Rockstar hier wohl eher ein SDR statt HDR benutzte. Dennoch kann Red Dead Redemption 2 sich in allen Belangen sehen lassen.

Red Dead Redemption 2 bietet Details in Hülle und Fülle. Ein einfacher Ritt durch die Prärie offenbart eine sehr lebendige Welt von Flora und Fauna. Neben den Tag- und Nachtwechseln, wird das Spiel von einem sehr dynamischen Wetter geprägt, das Red Dead Redemption 2 immer wieder in einem neuen Gewand erscheinen lässt. Ob nun der anfängliche Schneesturm einen kaum die Hand vor Augen sehen lässt, kann ein aufziehender Nebel so manchem Horror-Game die Stirn bieten. Tiefziehende Wolken verheißen nichts Gutes und das Gewitter mit seinem Donner und Blitzen sorgt für ein wahres Survival Erlebnis. Langweilig wird es auf keinen Fall, da es immer was Neues zu entdecken gibt.

Von der technischen Seite ganz nüchtern betrachtet, ist Red Dead Redemption 2 ein sehr schönes Spiel, hat aber auch noch so seine Macken. Ein schneller Ritt lässt mir zu oft die Landschaft verwaschen wirken, welche sich im Stand erst langsam detailliert aufbaut. Hier scheint Rockstar es entweder als Effekt zu sehen oder die Technik der PlayStation 4 ist wohl nun gänzlich in die Jahre gekommen.

Diese anmutige amerikanische Landschaft wird mit sehr guten Soundeffekten sprichwörtlich authentisch untermalt. So entpuppt sich ein Spaziergang durch den Wald als ein regelrechtes Naturschauspiel. Vögel zwitschern, irgendwo ein Brunftschrei, der Wind rauscht durch die Blätter oder das Gewitter lässt einem so richtigen Unbehagen aufkommen.  Selbst eine wilde Schießerei macht richtig Laune und lässt die Colts in den Ohren rauchen.

Es steckt viel Liebe im Detail und so kann ich locker über die kleinen technischen Macken hinwegsehen. Eine tolle Reise in das 19. Jahrhundert.


Umfang

viele Stunden, zuviel um alles zu packen?

Nach dem Abschluss des Prologes öffnen sich die Tore zur weiten Steppe und Prärie von Red Dead Redemption 2. Auch wenn Rockstar mir derzeit nur die Kampagne bietet und der Multiplayer wohl erst Anfang Dezember seine Möglichkeiten zeigen wird, so bin ich derzeit in zu vielen Spielstunden noch weit vom Ende entfernt.

Die Story von Red Dead Redemption 2 ist in mehrere Kapitel unterteilt, dazu gesellen sich jede Menge Nebenmissionen die alle als Option angesehen werden können, sowie ein riesiger Spielplatz um sich austoben zu können. Dabei ist das Spiel ein wahres Open World Game wie ich es mir schon lange gewünscht haben. Ob ich nun strickt dem Story-Verlauf folge oder nur einige Stunden damit zu bringe, Orte zu entdecken, die Stunden verstreichen wie im Flug. Alleine die Kampagne bietet reichlich Unterhaltung, wären da nicht die unzähligen Dinge auf dem Weg von einem Ort zum anderen, die mich immer wieder von meinem eigentlichen Ziel ablenken. Jagen, fischen gehen oder gar dem Wildhüter die notwendigen Felle liefern, einem Fotografen immer wieder helfen die Natur ins rechte Bild zu rücken oder abseits der Wege Siedlern einen Gefallen tun. Ganz nett finde ich das „Grillen“, hier darf sich jeder sein Steak nach Herzenslust selber zubereiten oder ganz und gar zum gallischen Druiden werden um sich den einen oder anderen Zaubertrank zu kochen. Kaffee gibt es natürlich auch !

Ich bin bisher dem braven Weg gefolgt, doch so ein Bankraub bietet auch seinen Spaß. Alles hier im Detail aufzuzählen, da würde ich noch bis nächste Woche hier sitzen und tippen und im Endeffekt alles spoilern. Eines ist aber gewiss, um alleine den Singleplayer komplett abzuschließen, da räume ich bestimmt schon wieder den Weihnachtsbaum aus der Stube.


Fazit

mein Spiel des Jahres

Mit Red Dead Redemption 2 liefert Rockstar sicherlich nicht das größte Open World Spiel ab, aber wohl das reichhaltigste, intensivste und unterhaltsamste Spiel in diesem Jahr ohne alles zu komplex und zu verstrickt zu gestalten. Red Dead Redemption 2 bietet so viel, zu viel, unglaublich viel Unterhaltung im Singleplayer, dass mir der Multiplayer vorab nicht wichtig ist. Ich bin sicherlich kein Freund von Western, eher ein Anhänger der glorreichen Tage eines Winnetou, aber mit diesem Spiel bin ich nun endgültig auf die Seite der Cowboys gewechselt, mein Pferd, mein Gewehr, mein Spiel. Auf in den Wilden Westen, dem Spiel der „unbegrenzten“ Möglichkeiten. Danke. 

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