Spiele Test

[ TEST ] Secret Of Mana – die Rückkehr des Fantasy-Helden-Epos

Als die PlayStation nur ein Gedanke im Hause Sony war, brachte der damalige Konsolen-Markführer Nintendo gemeinsam mit Square Enix (damals noch Squaresoft) das Spiel Secret of Mana auf den SNES. Für viele gilt das Spiel noch heute als das beste Action-Rollenspiel aller Zeiten. In einem Remake für die PlayStation 4, die PlayStation VITA und den PC feiert das Helden-Epos nun seine Rückkehr auf die große Bühne. Wir haben es uns natürlich angeschaut.

Dunkelheit legt sich über das Land, die Kräfte des Mana sind am Versiegen… Wenn nur noch Hoffnungslosigkeit regiert, wartet die Menschheit auf einen Helden, der das Schwert aus der Legende führt, Exkalibur, Kusanagi, Masamune… Die Klinge hatte viele Namen…Doch alle meinten sie die selbe Waffe: Das Mana-Schwert.

Ersteindruck

Ein Remake von einem Spiel wie Secret of Mana zu bewerten dürfte für Spieleredakteure wohl so etwas wie eine Königsdisziplin sein. Zum einen muss und will man möglichst objektiv bleiben, aber auf der anderen Seite ist das Spiel womöglich der Anfang von allem, was man in Sachen Videospiele bisher erlebt hat. In meinem Fall geht es sogar soweit, dass ich das Original als meinen „Heiligen Gral“ der Videospiele bezeichne, weil ich mit keinem anderen Spiel so viel verbinde. Immerhin war es meine erste große Liebe und hat wie kein anderes Spiel mein Herz erobert.

Deshalb will ich versuchen, dass Spiel aus zwei Blickwinkeln zu beleuchten. Einmal aus der Sicht eines (wenn nicht sogar des größten) Fans des Originals von 1993, und damit auch die eine faire Bewertung bekommen, die das Original nicht kennen, aus einer Perspektive ohne Nostalgie-Brille.

Orte wie Gasthäuser und andere Gebäude sind stark am Original angelehnt. / Secret of Mana

Orte wie Gasthäuser und andere Gebäude sind stark am Original angelehnt. / Secret of Mana

Schon in den ersten Sekunden nach dem Start des Spiels entsteht die erste Gänsehaut. Dieses markante und unverkennbare Brüllen des Drachens, das etwas wie Walgesang kling, direkt vor dem Beginn der wohl schönsten Titelmelodie aller Zeiten. Die neue Version des „Songs“ lässt sich zwar etwas mehr Zeit für eine Einleitung, klingt dann aber mindestens so schön wie das Original.

Nachdem man die Einstellungen in den Optionen wie gewünscht vorgenommen hat, startet man nun endlich das Spiel und gibt dem Hauptcharakter den gewünschten Namen. Die Spannung steigt … Und dann das! Mit den leicht hölzernen Animationen kann man sich ja noch anfreunden, aber warum bitteschön haben die Charaktere bei vollvertonten Dialogen keinerlei Lippenbewegungen? Das wirkt im ersten Moment einerseits unfreiwillig komisch, aber auf der anderen Seite extrem befremdlich und fast etwas abstoßend. Um diesen Effekt etwas abzuschwächen empfehle ich hier die Lautstärke der Stimmen über die Optionen komplett auf Null zu stellen. Das sorgt außerdem dafür, dass sich das Spiel ein kleines bisschen mehr wie das Original anfühlt.

Nach den ersten Minuten und nachdem wir das rostige, alte Schwert aus dem Stein gezogen haben, kommt direkt der nächste „Rückschlag“. Was dem Neueinsteiger so ziemlich egal sein dürfte, fühlt sich für den Fan wie ein Schlag in die Magengrube an. Im Original waren die Bezeichnungen der Gegner noch fantasievoll und hatten etwas, das einen zum Schmunzeln bringen konnte. Aber man hat hier tatsächlich die Pogopuschel in Mümmler umbenannt?! Und nicht nur die. Praktisch sämtliche Namen und Bezeichnungen wurden auf Links gedreht und klingen nicht nur befremdlich, sondern nehmen dem Spiel unglaublich viel von seiner ganz eigenen und besonderen Magie. Und von Kreativität will ich bei den neuen Bezeichnungen gar nicht erst reden. Die ist praktisch nicht vorhanden. Diese Änderung KANN darauf zurückgeführt werden, dass beim Original noch Nintendo die Finger bei den Bezeichnungen der Figuren im Spiel hatte und hier eventuell rechtliche Punkte eine Rolle spielen. Aber welchen Grund es auch hat … es ändert nichts daran, dass sich diese Änderung für den Fan irgendwie komisch und nicht richtig anfühlt.

Im

Im „Lexikon“ könnt ihr 3D-Modelle aller Gegner, Charaktere und Waffen begutachten. / Secret of Mana

Es mag für den ein oder anderen etwas übertrieben klingen, aber letztendlich sind Namen eines, wenn nicht sogar das stärkste Identifikationsmerkmal auf der Welt. Und nun, nach 25 Jahren, plötzlich alle bekannten Bezeichnungen und Namen zu ändern und eben nicht mehr die zu nutzen, die in der ursprünglichen, deutschen Fassung vorhanden waren, nimmt der Welt und den Charakteren so wahnsinnig viel von dem, was sie ein viertel Jahrhundert lang ausgemacht hat. Das tut weh und fühlt sich einfach falsch an. Für mich ist das die mit Abstand schlimmste Änderung, die Square Enix bei diesem Remake vorgenommen hat.

3 von 5 Sterne

Gameplay

Beim Gameplay hat Square Enix zwar nur wenig verändert und es lediglich ein wenig modernisiert, aber diese kleinen Änderungen haben (vor allem zu Beginn) ihre Tücken. Damals gab es z.B. insgesamt nur 4 Richtungen (Es könnten auch 8 gewesen sein. Ist einfach zu lange her.), aus denen die Gegner angreifen könnten. Im Remake können sie euch nun aus allen möglichen Richtungen zusetzen. Vor allem zu Beginn zieht das den Schwierigkeitsgrad an einigen Stellen ganz schön nach oben. Hat man sich aber erstmal daran gewöhnt, spielt es sich fast so wie früher. Nur eben etwas flotter. Das kommt letztendlich auch dem Spieltempo zugute. Man kommt deutlich schneller voran und das Spiel entwickelt eine sehr angenehme Dynamik, die das Original so nicht hatte.

Die klassischen Ringmenüs sind zwar wieder vorhanden, aber etwas verbesserungswürdig. / Secret of Mana

Die klassischen Ringmenüs sind zwar wieder vorhanden, aber etwas verbesserungswürdig. / Secret of Mana

Die Menüführung in den Ringemenüs ist allerdings weniger gut gelungen. Zwar läuft alles flüssig und hat den selben Aufbau wie damals, aber im Gegensatz zum Original ist so gut wie nicht zu erkennen, in welchem Ringemenü ich mich eigentlich befinde. Ist es das des Mädchens oder der Elfin (im Original war sie noch eine Koboldin)? Auf den ersten und auch auf den zweiten Blick ist das nicht zu erkennen, da die Menüs nun nicht mehr direkt über der Figur angezeigt werden, sondern grundsätzlich in der Mitte des Bildes. Lediglich das Menü des Jungen lässt sich erkennen, da hier der Menüpunkt für das Magielevel ausgegraut ist. Das führt leider dazu, dass man sich oft erst durch die Menüpunkte wühlen muss um z.B. den gewünschten Zauberspruch zu finden. Der neue Schnellzugriff (R1 + L1) ermöglicht zwar die schnelle Nutzung zweier vorher festgelegter Zauber (oder auch Gegenstände), aber auch hier stellt sich eine Frage: Wenn die Tasten R2 und L2 im Spiel sowieso nicht belegt sind, warum kann man hier dann nicht auch Schnellzugriffe einstellen? So hätte man bis zu 4 Fähigkeiten schnell griffbereit, was dem Spielfluss sehr gut tun würde.

Gameplay und ein paar zusätzliche Eindrucke findet ihr in meinem Vorstellungsvideo zum Spiel.

4 von 5 Sterne

Grafik/Sound/Technik

Bei Optik und Präsentation scheiden sich ja grundsätzlich die Geister. Ich persönlich finde den neuen Look sowohl aus Fan- als auch aus objektiver Sicht sehr ansprechend. Grafisch ist es zwar kein Meilenstein, aber bei Spielen wie Secret of Mana könnte eine zu aufgeblasene Grafik wohl eher störend sein und dem Ganzen die charmant niedliche Note nehmen.
Einige Darstellungsfehler könnten allerdings noch ein wenig Feinschliff brauchen. Speziell im letzten Abschnitt des Spiels verschwinden einige bestimmte Gegner immer wieder in Wänden, sobald sie einen Schlag abbekommen und vor allem beim Nutzen von Zaubern ist oft nicht zu erkennen, welchen Gegner man nun eigentlich anvisiert hat, da der Cursor an der falschen Stelle des Bildschirms, oder sogar überhaupt nicht angezeigt wird. Im Groben und Ganzen kann man mit dem grafisch gebotenen aber zufrieden sein.

Mit eurem Drachen könnt ihr fast die komplette Welt bereisen. / Secret of Mana

Mit eurem Drachen könnt ihr fast die komplette Welt bereisen. / Secret of Mana

Auch der Sound, speziell die Musik, ist eine Sache des persönlichen Geschmacks. Der neu aufgenommene und modernisierte Originalsoundtrack hat durchaus seinen Reiz. Und einige der Stücke klingen tatsächlich schön, auch wenn sich bei einigen die Verbindung zum Original nur noch erahnen lässt. Um so schöner, dass man jederzeit zwischen dem neuen und dem originalen Soundtrack von 1993 wechseln kann.
Bei den Soundeffekten hingegen ist so gut wie kein Unterschied zum Klassiker auszumachen. Sie klingen lediglich etwas moderner und voller.

Die wohl größte Baustelle des Spiels stellt allerdings die Technik dar. Wobei besonders zwei Punkte negativ hervor stechen. Zum einen sind das die ständigen Abstürze des Spiels. Zwar gibt es eine Autosave-Funktion, die euren Spielstand bei jedem Wechsel des Bildschirms speichert (Das grün hervorgehobene Savegame ist der automatisch gespeicherte Spielstand, bevor jemand fragt.), wodurch nicht all zu viel vom Fortschritt verloren geht, aber dem Spielfluss und dem Spaß am Spiel tut so etwas natürlich alles andere als gut.
Und als zweites wäre hier die unsagbar dämliche Begleiter-KI. Es gibt den tollen Spruch „Zu dumm um aus dem Bus zu winken“. Wendet man den bei der KI an, ist das noch nett ausgedrückt. Ständig hängt sie an irgendwelchen Kanten und Ecken fest. Das gab es zwar auch 1993 im Original schon, aber hier ist es noch viel schlimmer. Gelegentlich stehen eure Begleiter auch einfach nur sinnlos in der Gegend rum, während ihr die Gegner alleine bearbeiten müsst. Im nächsten Moment stürzen sie sich dann aber sehenden Auges ins Verderben. Daran ändert sich leider auch nichts, wenn ihr das Verhalten der KI über die Optionen einstellt. Warum man hier die im Original vorhandene Möglichkeit, die Aggressivität und die Offensiv-/Defensiv-Ausrichtung einzustellen, gegen eine halbgare „Greife das selbe Ziel oder ein anderes Ziel an“-Option ausgetauscht hat, kann ich absolut nicht nachvollziehen.

Magie wird, genau wie die Waffen, bei regelmäßiger Nutzung stärker. / Secret of Mana

Magie wird, genau wie die Waffen, bei regelmäßiger Nutzung stärker. / Secret of Mana

Und last but not least kommt es praktisch bei jedem Kampf vor, dass die KI nicht den Gegner angreift, sondern einen leeren Spawnpunkt, an dem ein Gegner erscheinen WÜRDE. Das kann man dann leider nur dadurch beenden, dass man im Bild so weit läuft bis der Spanwpunkt aus dem Bild verschwindet, damit der Gegner dann auch spawnt.
Ich will ja nicht gemein sein, aber wenn eine 25 Jahre alte KI „intelligenter“ ist als eine heutige, weiß ich nicht ob ich lachen oder weinen soll.

Vereinzelt kam es leider auch vor, dass einer der Begleiter im „schwarzen Nichts“ verschwunden ist. Plötzlich war die Gruppe nur noch zu zweit und sobald man auf den verloren gegangenen Charakter gewechselt hat, gab’s nur nen schwarzen Bildschirm mit den eingeblendeten Energiebalken und der Mini-Map. Auch nach dem Übergang in den nächsten Spielbereich war das Problem nicht behoben. Und selbst nach einem Neustart war der verlorene Charakter nicht zurück. Irgendwann war er dann einfach so wieder da.
Wie man es auch dreht und wendet: Rein technisch hinkt das Remake dem 25 Jahre alten Original momentan weit hinterher.

3 von 5 Sterne

Umfang/Inhalt

Inhaltlich gibt es kaum Änderungen zum Original. Die Story bleibt die Selbe, wird allerdings durch einige Kleinigkeiten ergänzt. So gibt es beim Übernachten in Gasthäusern nun immer einen kleinen Dialog zwischen den Charakteren, der Ereignisse des Spiels aufgreift, dabei aber eher wenig bis gar nichts zur Story oder der Charakterentwicklung beiträgt. Die Gespräche sind maximal „nett“, hätten aber auch nicht unbedingt sein müssen. Dazu kommen Zwischensequenzen die bei wichtigen Ereignissen in der Story abgespielt werden. Auch eine nette Ergänzung, die es aber nicht unbedingt gebraucht hätte. Zumal die Animationen auch nicht sehr schön anzusehen sind da sie sehr hölzern und seltsam puppenhaft wirken.

Alle 8 Waffen auf Level 9 zu bekommen kann einige Stunden Zeit in Anspruch nehmen. / Secret of Mana

Alle 8 Waffen auf Level 9 zu bekommen kann einige Stunden Zeit in Anspruch nehmen. / Secret of Mana

Da man im Remake sehr viel schneller voran kommt als im Original, dürfte die durchschnittliche Spielzeit bei den Meisten wohl bei ca. 25 Stunden liegen. Wer sich die Zeit nimmt und alle Waffen und Magien auf die Maximalstufe spielt, kann je nach Vorgehensweise aber auch bei ca. 30 Stunden oder mehr landen. Das ist ganz OK, kann aber nicht so ganz mit moderneren Genrevertretern mithalten, die meist bei ca. 40 Stunden liegen und dabei trotzdem mehr Abwechslung bieten. Abgesehen davon kann das Leveln der Fähigkeiten schon sehr mühsam und zäh werden.

Zum Inhalt würde ich auch eine der Neuerungen zählen, die allerdings nicht wirklich einen Sinn erfüllt. Denn die als „Lexikon“ bezeichnete Sammlung aller Gegner, Charaktere und Waffen ist nicht wirklich ein Lexikon. Eher ein Bilderbuch. Ist ja schön, dass man sich dort tolle 3D-Modelle der jeweiligen Figuren anschauen kann, aber sollte in einem Lexikon nicht auch Text enthalten sein?! Wer sind diese Charaktere? Was haben sie mit der Welt und den Geschehnissen zu tun? Wer war der Bossgegner, den ich gerade erledigt habe? Wie viel XP und Gold habe ich für ihn bekommen? … Solche Sachen SOLLTEN eigentlich in einem Lexikon stehen. Der Fan hatte damals den beigelegten Spieleberater in dem all diese Infos zu finden waren. Und vieles davon weiß er heute noch. Oder er hat das schlaue Büchlein vielleicht sogar noch. Aber Neueinsteiger erfahren hier viel zu wenig über die Welt und ihre Bewohner. Mit ein paar kleinen Randinfos über die Charaktere könnte man der Geschichte und den Figuren viel mehr Tiefe und Profil geben. Hier verschenkt man ein wenig Potential.

4 von 5 Sterne


Fazit

Wer das Original nicht kennt, bekommt mit Secret of Mana ein solides und durchaus unterhaltendes Action-RPG, das aber mehr Durchschnitt als Hit ist. Dazu kommen ein paar technische Macken & Schönheitsfehler. Aber inhaltlich und spielerisch kann es gut mit anderen Genrevertretern mithalten.
Fans des Originals hingegen könnten eine gewisse Ernüchterung erleben. Auch wenn sich das Remake fast wie der zeitlose Klassiker spielt und in Teilen auch so anfühlt … es gibt zu viele kleine aber feine Details, die das Original so VIEL BESSER machen. Auch wenn es gut unterhält … es fehlt etwas. Dieses „Etwas“ ist wohl für jeden was anderes, aber das es fehlt, steht außer Frage.
Abschließend kann man sagen, dass dieses Remake eine nicht 100%ig gelungene aber gute Hommage an den zeitlosesten aller Klassiker ist. Aber diesen ganz speziellen „Zauber“ wird man wahrscheinlich nie in die heutige Zeit übertragen können.

Getestet wurde Version 1.01 auf der PlayStation 4 Pro.



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