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[ TEST ] SHADOW OF THE COLOSSUS – Ein Meisterwerk im neuen Gewand

Shadow of the Colossus markiert eines der funkelsten Sterne am Himmel der Gamingwelt. Ein Spiel, das dazu aufbrach mehr zu sein als nur ein Spiel und die Grenzen der Kunst erklomm. Nun erschien das Remake des PS2-Klassikers für die PS4. 

Ersteindruck


Als Shadow of the Colossus im Jahr 2006 für die PlayStation 2 erschien, hat wohl niemand geahnt, welchen Status dieses Stückchen Software einmal erringen sollte. Immer dann, wenn eine Diskussion in der Öffentlichkeit darüber entbrennt, ob Videospiele als Kunstform anzusehen sind, heben die glühenden Verfechter des Gaming ein Spiel ganz besonders hervor. Das Spiel, das selbst dem härtesten Kritiker vor Augen führen soll, dass Videospiele tatsächlich Kunst sein können. Dieses Spiel hört auf den etwas sperrigen Namen Shadow of the Colossus.

Kurz nach Veröffentlichung, im Jahre 2006, bahnt sich zuerst ein kommerzieller Flop des Spiels an. Der Titel verkauft sich so schlecht, dass Sony kaum weitere Kopien des eigenwilligen Spiels anfertigen lässt. Als Shadow of the Colossus in den kommenden Jahren immer mehr zum gefeierten Hit wird, gilt es als Rarität und als begehrtes Sammlerstück, das nur ausgewählte Händler im Sortiment haben und bei dem man bereit sein muss, etwas mehr als den üblichen Preis eines Spiels zu zahlen.

Warum das zweite Spiel der ICO-Trilogie so einen schleppenden Start hatte und letztlich so einen glänzenden Status genießt? Wir glauben, der Grund dafür ist dass Shadow of the Colossus mit den üblichen Gesetzen der Videospielwelt bricht und so viel anders machte und selbst 12 Jahre nach Erstveröffentlichung immer noch zeitlos aus der Masse herausstricht.

5 STERNE

5 von 5 Sterne

Gameplay


Zuerst einmal steuern wir keinen muskelbepackten und glorreichen Helden und sehen uns selbst in einer übermächtigen Rolle, wie es in der actiongeladenen Welt der Spiele üblich ist. Wir steuern einen kleinen unscheinbaren Jungen namens Wander, der auf seinem schwarzen Pferd Agro in ein verbotenes Land reitet. Es ist heiliger Boden den wir da betreten, voll einsamer Mystik. Doch was erhofft sich Wander hier zu finden? Er führt den leblosen Körper eines schönen Mädchens mit sich. Wander erbittet die Mächtigen Geister diesen verbotenen Landes um Hilfe, um die Seele des Mädchens wieder in ihren Körper zu bringen – auf das sie wieder lebendig wird. Doch die Geister haben Bedingungen: Wander soll 16 Kolosse von ehrfürchtiger Statur niederstrecken. Erst dann wird sein Wunsch erfüllt.

So kommt es, dass wir uns in der Haut von Wander aufmachen, die offene Spielwelt zu durchstreifen und einen Koloss nach dem anderen aufsuchen, um ihn zu töten. Wie es die Geister von uns verlangen. Aber das ist leichter gesagt als getan.  Auf unserem Pferd Agro sitzend bemerken wir auch gleich, dass das Entwicklerstudio ein weiteres Mal mit geltenden Regeln der Videospielwelt brechen, denn Agro ist ein eigenwilliges Pferd, dass sich nicht einfach von uns beherrschen lässt. Wir steuern den Gaul nur indirekt. Vielmehr sind es die Zügel, über die wir dem Pferd befehligen müssen, wie es zu laufen hat. Oft wurde das Entwicklerstudio Team Ico für diese Entscheidung kritisiert. Die Steuerung von Agro sei schlecht und nervig. Dabei ist das beabsichtigt. Damit wird Agro als treuer Begleiter Wanders einer Persönlichkeit zuteil, wie wir sie sonst nur in The Last Guardian gesehen haben.

Auch sonst verhält sich  das Gameplay von Shadow of the Colossus absolut untypisch. Wer jetzt erwartet, dass die offene Spielwelt mit allerlei Quests gefüllt ist, die unsere lange Reise ergänzen. Wer erwartet, dass wir Wander allerlei Charakterlevel aufsteigen lassen können und unzählige Rüstungsteile und Waffen finden dürfen, wird enttäuscht. Mit all diesen etablierten Gameplay-Elementen bricht dieses Spiel. Unsere einzige Aufgabe heißt: erledige alle 16 Kolosse. So simpel und geradlinig traut sich kaum ein Videospiel zu sein. Und auch in Sachen Story wird uns nichts auf die Nase gebunden. Welchen Hintergrund die einzelnen Kolosse haben, warum sie existieren und warum die Geister diese stolzen Geschöpfe tot sehen wollen? – All das wissen wir nicht. Wir können es nur erahnen.

Shadow of the Colossus ist ein meditatives Abenteuer, das uns Spieler zu Abenteurern werden lässt, die diese mystische und melancholische Welt erkunden. Darin liegt die Kraft in der Geschichte um Wander und dem leblosen Mädchen. Im 2007 erschienenen Hollywood-Drama „die Liebe in mir“ flüchtet sich der traumatisierte Charlie in die Welt von Shadow of the Colossus und Charlie offenbart uns Zuschauern: „Wenn man dieses Spiel spielt, erkennt man wer man wirklich ist.“


Das beschreibt vielleicht die hypnotische Kraft dieses Meisterwerks am Besten. Aber es zeigt auch, dass man sich auf Fumito Uedas Werk einlassen muss. Wer ein actiongeladenes Abenteuer mit Rollenspiel-Elementen erwartet, in den man riesige Kreaturen möglichst spektakulär zu Fall bringt, sollte vielleicht besser auf Horizon Zero Dawn ausweichen. Langweilig ist Shadow of the Colossus aber keineswegs. Jeder der 16 riesenhaften Kolosse besitzt seinen eigenen unverwechselbaren Charakter und muss auf immer neue Weise von uns in die Knie gezwungen werden. Wie wir einen Koloss austricksen und ihn erklimmen, um unser Schwert in seinen Kopf zu stoßen, dass müssen wir immer wieder aufs Neue selbst herausfinden.

5 STERNE

5 von 5 Sterne

Grafik / Sound


An dieser Stelle sei erwähnt, dass Shadow of the Colossus für die PS4 nicht nur ein aufpoliertes Remaster des PS2-Klassikers ist – es ist ein Remake! Das heißt, dass der Titel von Grund auf von „Bluepoint Games“ neu entwickelt wurde. Und das ist dem texanischen Entwicklerstudio auf grandiose Weise gelungen. Das PS2-Original wurde seinerzeit für seine leere und triste Welt kritisiert. Das Remake macht sich die Hardware-Power der PS4 zunutze und ergänzt die offene Spielwelt durch unglaublich stimmungsvolle und hübsche Landschaften. reißende Wasserfälle, dichte Wälder, stürmische Wüsten, schwindelige Steilwände, feuchte Tempelanlagen und noch viel mehr. Die umfassend restaurierte Welt von Bluepoint Games lässt dieses Abenteuer in einem nie dagewesenen Licht erstrahlen und zaubert mit gestochen scharfen Texturen eine Atmosphäre auf den Bildschirm, die uns in die mystische Welt von Shadow of the Colossus eintauchen lässt.

PS4 Pro Besitzer haben zudem die Wahl zwischen zwei Grafikeinstellungen. Zum einen der 4K Modus, der uns die bestmögliche Grafikpracht in 30 fps präsentiert und einen Performance Modus, der in 1080p läuft, aber flüssige 60 fps bietet.

Der Sound ist ebenfalls absolut referenzverdächtig. In wuchtigen Bässen stapfen uns die riesigen Kolosse entgegen. Die Sounds geben uns ein gutes Gefühl von der ganzen Kraft und Schwere dieser Geschöpfe. Im grünen Dickicht der Wälder hören wir allerlei Tierchen zirpen. Der grandiose Soundtrack des Spiels wurde für das Remake neu abgemischt und rundet das außergewöhnliche Erlebnis dieses Spiels ab.

5 STERNE

5 von 5 Sterne

 Umfang


Shadow of the Colossus umfasst drei Schwierigkeitsgrade, die von Beginn an frei wählbar sind. Um alle 16 Kolosse niederzuringen und das Abenteuer abzuschließen, werden im Schnitt etwa 10 Stunden benötigt. Darüberhinaus dürfen wir einige versteckte Sammelgegenstände finden und alle Kolosse noch einmal unter Zeitdruck in den Time-Trials bezwingen. Die gut ausgestaltete Trophäenliste und das einmalige Erlebnis dieser Story motiviert zu einem wiederholten Durchspielen.

4 STERNE

4 von 5 Sterne

Fazit


ÜberragendViele alte Spiele-Klassiker vergangener Tage sind nicht besonders gut gealtert und wirken nicht nur grafisch reichlich angestaubt. Shadow of the Colossus hingegen ist so ein zeitloses Meisterwerk, dessen einmaliges Gameplay auch heute noch begeistert. Die mystische Story und die mächtigen Kolosse zaubern uns auch heute noch eine Gänsehaut auf den Leib. Nebenbei hat Bluepoint Games das Maß aller Remakes festgelegt. So ambitioniert und mit so viel Liebe zum Detail ist noch kein Klassiker neu aufgelegt worden. Shadow of the Colossus für die PS4 ist nicht einfach ein müder Neuaufguss eines Klassikers. Es ist ein wunderschönes Erlebnis und hebt dieses zeitlose Meisterwerk in ganz neue Höhen. 


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