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[ TEST ] SNK Heroines: Tag Team Frenzy – Wenn Frauen sich hauen

Aus dem Land der aufgehenden Sonne kommen hier und da schonmal seltsame Spiele. Mit SNK Heroines: Tag Team Frenzy haben wir hier einen dieser Vertreter. Was das quitschbunte 2vs2-Tag-Team-Prügelspiel zu bieten hat, erfahrt ihr in unserem Test.


Ersteindruck
Fäuste und Brüste

Schon der Einstieg ins Spiel hat was von nem typisch japanischen Werbespot. Bunt, schrill und farbenfroh. Dazu kommen die typischen Japano-Quitschestimmchen, mal abgesehen von der Standardstimme im Hauptmenü, die euch JEDEN Menüpunkt vorplappert, sobald ihr ihn auswählt. Ist am Anfang zwar ganz nett, geht einem aber nach kurzer Zeit schon mächtig auf die Nerven. Garniert wird das Ganze dann mit ein paar weiblichen Argumenten und teils schrägen Outfits.

Der Einstieg ist genreüblich erstmal mit planlosem Knöpfchen drücken verbunden. Das Tutorial ist hierbei allerdings sehr hilfreich, da es euch praktisch alle nötigen Dinge beibringt. Nach ein paar Kämpfen gegen die KI hat man den Dreh aber relativ schnell raus und kann sich über die ersten Freischaltungen von Charakterstimmen und Zwischensequenzen und Dergleichen freuen. Anfangs schaltet man praktisch bei jedem Kampf irgendwelche Kleinigkeiten frei, die man dann im Individualisierungsmodus, oder den Optionen nutzen kann, um  das Spiel und die Charaktere an seine eigenen Bedürfnisse anzupassen. Sämtliche Inhalte lassen sich aber auch mithilfe der Ingame-Münzen freikaufen. Diese bekommt man nach jedem Kampf als Belohnung spendiert.


Gameplay
Weniger ist nicht immer Mehr

Der Kampf spielt sich relativ klassisch in 2D-Arenen ab. In Zweierteams treten die Ladies gegeneinander an. Dabei übernimmt eine die Rolle des Angreifers, die andere ist eher Supporter. Man kann im Kampf nach belieben zwischen beiden hin und her wechseln. Hier kann man mit etwas Geschick sehr gut taktieren und sich so vielleicht einen kleinen Vorteil erspielen.

Die Kämpfe sind bunt und schrill, wie eine Tüte Süßigkeiten. / SNK Heroines

Die Kämpfe sind bunt und schrill, wie eine Tüte Süßigkeiten. / SNK Heroines

Während sich die Mädels nun mit einfachen Combos und simplen Special-Mooves auf die Glocken hauen, kann der gerade nicht aktive Charakter aus dem Hintergrund in den Kampf eingreifen. Währen des Kampfes erscheinen in der Arena regelmäßig gelbe Kugeln, die ihr zerschlagen könnt. Darin befinden sich Items, die euer inaktiver Partner nutzen kann, um euch zu unterstützen. Die Items werden dabei zufällig vergeben. Mal ist es eine Mine, mal ein Heiltrank und dann wieder eine Bananenschale, die ihr dem Gegner vor die Füße werfen könnt. Mit der richtigen Taktik und etwas „Lootglück“ könnt ihr den Gegner dabei gut in die Enge treiben und entscheidende Treffer landen. Sobald die Lebensanzeige des Gegners fast aufgebraucht ist, färbt sie sich Rot und ihr könnt zum finalen Schlag, dem sogenannten Traum-Finisher, ausholen. Trefft ihr den Gegner damit, ist er sofort besiegt. Falls nicht, könnte die verbrauchte Energie dafür sorgen, dass der Gegner sich seinerseits einen Vorteil erkämpft. Das kann trotz des eher flachen Kampfsystems für interessante und spannende Kämpfe sorgen. Vor allem Online kann es sich mal eben schnell um 180° drehen.

Im Individualisierungs-Modus könnt ihr auch Hintergründe, Posen und Sticker für schöne Screenshots einstellen. / SNK Heroines

Im Individualisierungs-Modus könnt ihr auch Hintergründe, Posen und Sticker für schöne Screenshots einstellen. / SNK Heroines

Das hört sich im ersten Moment zwar nach viel an, ist aber tatsächlich sehr oberflächlich und alles andere als tiefgreifend. Das Kämpfen beschränkt sich im Grunde auf immer die selben Aktionen und Mooves und lässt dadurch wenig Abwechslung zu. Zwar erlaubt das Spiel auch schöne Combos, aber für die muss man viel Zeit zum Üben investieren. Zeit, die Gelegenheitsspieler womöglich nicht aufbringen können oder wollen. Und da sich das Spiel am ehesten an genau Die richtet, haben wir hier einen kleinen Widerspruch. Und da sich die 14 Charaktere bis auf ein paar Kleinigkeiten fast gleich spielen, kann das Spiel auch hier nicht mit Abwechslung oder Tiefgang punkten.
Mit Patch 1.10 wurde kürzlich auch die Unterstützung für Arcade-Sticks eingeführt. Wer einen solchen Stick besitzt und beherrscht, kann das an sonsten eher simple Knöpfchen drücken vielleicht etwas interessanter gestalten und damit für etwas mehr Abwechslung  und/oder eine Herausforderung sorgen.


Grafik/Sound/Technik
Ein digitaler Zuckerschock

Optisch präsentiert sich SNK Heroines: Tag Team Frenzy wie eine Tüte Süßigkeiten. Extrem farbenfroh und quitschbunt, mit jeder Menge Glitzer und Bling Bling auf dem Bildschirm. Das muss man schon mögen, um hier keinen digitalen Zuckerschock zu bekommen. Dabei sind die Animationen, Texturen und die allgemeine Darstellung wunderschön anzusehen. Keine zerfransten Kanten, keine fehlerhaften Animationen, unschöne oder unsaubere Abläufe oder Dergleichen. Auch die gezeichneten Artworks können sich dabei sehen lassen. Auch wenn es ruhig ein paar mehr hätten sein können. Rein optisch ist das Spiel aber vor allem für Fans dieses Stils eine Augenweide.

Die Traum-Finisher werden durch schöne Animationen eingeleitet. / SNK Heroines

Die Traum-Finisher werden durch schöne Animationen eingeleitet. / SNK Heroines

Soundtechnisch gibt’s nichts zu meckern. Im Gegenteil. Alles klingt wie es in einem Typisch japanischen Spiel klingen muss. Von den quitschigen Stimmchen, über die knackigen Schlaggeräusche, bis zur typisch japanischen Musik ist das Spiel in Sachen Sound eine absolut runde Sache. Mir hat es dabei besonders der Titelsong angetan. J-Pop vom feinsten, mit höllischem Ohrwurmpotential.
Wem der Song nicht so zusagt, der kann aber auch jederzeit einen anderen Titel als Hintergrundmusik einstellen. Im Spielverlauf könnt ihr euch zusätzlich noch diverse weitere Songs freischalten. Wahlweise könnt ihr sie aber auch mit den verdienten Ingame-Münzen kaufen. Selbiges gilt auch für die Menüstimme, die praktisch jede Auswahl im Hauptmenü nachplappert, damit ihr auch bloß wisst, welchen Menüpunkt ihr gerade ausgewählt habt. Ich empfehle allerdings, die Stimme zu deaktivieren, da sie einem nach kurzer Zeit schon ziemlich auf die Nerven gehen kann.

Technisch hat das Spiel keine Schwierigkeiten gemacht. Keine Bugs oder Glitches, die als solche zu erkennen gewesen wären. Lediglich der Multiplayer könnte noch etwas Feinschliff brauchen. Die Suche nach Gegnern scheint da noch nicht ganz rund zu laufen. Beim Test mit 2 Konsolen dauerte die Suche manchmal eine gefühlte Ewigkeit und gelegentlich wurde gar kein Gegner gefunden. Bei manchen Suchläufen hingegen wurde der Gegner innerhalb von wenigen Sekunden gefunden.


Umfang/Inhalt
War’s das etwa schon?

Kurz vor Fertigstellung des Tests erschien Patch 1.10 und der erste DLC-Charakter für 4,99 €. / SNK Heroines

Kurz vor Fertigstellung des Tests erschien Patch 1.10 und der erste DLC-Charakter für 4,99 €. / SNK Heroines

Der Umfang des Spiels ist eher etwas mau. Nur 14 Charaktere (abzüglich DLCs) stehen euch zur Verfügung und die wenigen Stages bieten auch etwas wenig Abwechslung. Das Kampfsystem könnte etwas tiefer gehen und ein paar zusätzliche Spielmodi oder -Varianten könnten auch nicht schaden. Das Individualisierungssystem ist zwar schön umfangreich, aber auch hier gab es schon Genrevertreter mit weitaus mehr Möglichkeiten. Inzwischen ist zwar auch schon ein weiterer Charakter veröffentlicht, der für 4,99€ im Store gekauft werden kann , aber so wahnsinnig viel Inhalt kommt dadurch leider auch nicht dazu.

Die Modi sind Standardkost. Ein Story-Mode mit einer typisch japanisch abgedrehten Story, in der ein Bösewicht Namens „Kukri“ die Frauen in eine  sogenannte Taschendimension entführt hat, damit sie dort gegeneinander Kämpfen und er sie danach in Sandskulpturen verwandeln kann, der leider nur sehr wenig reine Spielzeit pro Durchgang bietet, VS-Modi für bis zu 4 Spieler oder gegen die KI, 3 Online-Modi, Tutorial-/Training-Mode und einen Editor zum Individualisieren der Charaktere. Hier wäre mit etwas Fantasie auch mehr Abwechslung drin gewesen.


FAZIT

SNK Heroines: Tag Team Frenzy ist ganz klar auf das japanische Publikum zugeschnitten. Zwar gibt es auch bei uns im Westen einige Leute die diesen Stil mögen, aber das dürfte dann doch eher eine relativ kleine und überschaubare Gruppe sein. Für genau die ist das Spiel aber durchaus zu empfehlen. Auch wenn es in praktisch allen Belangen nicht über das Mittelmaß hinauskommt, hat es einen gewissen Reiz und ist vielleicht gerade aufgrund seines eher geringen Umfangs und des simplen Kampfsystems sehr gut für einen Quickie zwischendurch geeignet. Ob es dabei aber den Vollpreis tatsächlich wert ist, kann man durchaus in Frage stellen. Das gilt auch für den ersten DLC, der mit 4,99€ zu Buche schlägt und verhältnismäßig wenig Gegenwert bietet. Unterm Strich ist SNK Heroines: Tag Team Frenzy aber eine solide und unterhaltsame Klopperei.

Der Test basiert auf Version 1.01. Gespielt wurde auf der PS4 Pro.


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