Spiele Test

[TEST] V-Rally 4 – mit angezogener Handbremse in den Graben

Als 1997 die legendäre Rallyeserie V-Rally auf der Playstation 1 geboren wurde, dachte keiner daran, das diese Reihe so erfolgreich werden würde. Ob der aktuellste Ableger aus dem Hause Kylotonn Entertainment an den Erfolg der ersten drei Teile anknüpfen kann, erfahrt ihr in unserem Test.

Nach 16 Jahren V-Rally Abstinenz, hat sich das französische Entwicklerstudio nach diversen WRC Teilen, nun auch die legendäre V-Rally Reihe zur Brust genommen. Hier liegt schon der erste große Unterschied: Und zwar der Schritt von einem realistisch angelehnten Rallyeracer zu einem schnellen Arcadevergnügen.

V-Rally 4 nimmt aktuell nur 29,24 GB auf der Festplatte ein und wir haben das Spiel auf der PlayStation 4 Pro mit dem Patch 1.03 getestet. Dazu haben den Dualshock 4 Controller sowie ein Lenkrad zur Hand genommen. 

Ersteindruck

Los geht´s !

Nach einem imposanten Intro wird man direkt ins tolle und übersichtliche Menü geworfen. Mit Sinn und Verstand wurde die Menüführung ins Spiel eingebaut. Man findet sich schnell und einfach zurecht, während im Hintergrund die bekannten, bewegten Bilder aus Trailern und Teasern laufen was eine nette Abwechslung zu tristen Menüs ist. Von hier aus gelangt man auch direkt in seine Garage, die mit vielen Informationen rund um den V-Rally-Modus bespickt ist.

Das aufgeräumte Hauptmenü vermittelt direkt das Gefühl von einfacher und schneller Action


Gameplay

mehr Couch-Action statt Simulation

Viele haben vorab V-Rally 4 mit Dirt 4 vergleichen wollen, was grundsätzlich schon schwierig ist, da man eine eher simulationslastigere Software mit einem Arcade Racer vergleicht. Was man durchaus vergleichen kann, ist das nervige und eintönige Baukastenprinzip bei den Strecken. Hier sieht man zum Beispiel im Modus „Schnelles Spiel“ die ganze Map schon eingeblendet und davon werden einfach ein paar Abschnitte genommen oder die gesamte Streckenlänge. Dies ist in der „Story“ nicht anders. Beim Fahren der anwählbaren Stages ist die Motivation die durch die Autos kam, schnell wieder weg.

Die Streckenabschnitte sind teilweise einfach nur aneinander gereiht

Geschichten erzählen ist vermeintlich einfach. Die Story in V-Rally 4 wird schön umschmückt, ist aber eher ein nerviges Add-On, was teilweise den Spielspaß hemmt. Ständige Mails und Stimmen die einem „Tipps“ geben wollen und versuchen den Umfang des Spiels zu erklären, nehmen einen die Lust darauf einfach nur loszudüsen. Agenten und Mechaniker einstellen, Autos kaufen, modifizieren und reparieren. Klingt erstmal schön und gut, ist für jemanden, der nur ein schnelles Rallyegame sucht, etwas erschlagend. Man fuchst sich aber rein und die Optimierungen haben auch Auswirkungen auf die Fahrzeuge oder auf den Kontostand. Alles ähnlich wie beim Codemasters Konkurrenten, aber auch hier nichts Revolutionäres und man sollte nichts neues erwarten.

Die Story ist zwar ein Hauptbestandteil des Spieles, fühlt sich aber eher nervig an


Grafik & Sound

es ist nicht alles Gold was glänzt 

Vorab: Es ist auf der PS4 Pro nicht mal im Ansatz so schön, wie es präsentiert wurde. Vorab wurden einige extrem aussagekräftige Trailer und Szenen veröffentlicht, die richtig Bock auf eine Grafikbombe gemacht haben. Auch das Anzocken bei den Entwicklern am PC war der Konsolenversion um ein weiteres voraus. (Wohlgemerkt dort auch nicht wirklich schön!). Im Auto angekommen,  muss man nicht mal ins Detail gehen, um zu sehen, das es der schwarzen Wunderkiste von Sony nicht gerecht wird. Die Umgebungstexturen sind teilweise matschig und trist. Die Zuschauer auf den Tribünen sehen aus wie Pappaufsteller und widmen sich eher den schlecht modellierten Bäumen als den Rennboliden. Ein kleines Manko birgt sich auch in dem Talent des Beifahrers, der bei den Rallyestages unerlässlich ist. Dieser sagt teilweise völlig wirre Ansagen die nicht zum Kurvenwinkel passen oder verpasst seine Einsätze schier ganz. Man kann hier zwar im Menü den Zeitpunkt der Ansagen einstellen, diese Funktion führte aber eher dazu, das die Ansagen schon bei einer Einstellung früher, so früh kamen, das man komplett durcheinander kam und sich wiedermal im Graben gesehen hat.

Matschige und flache Offroadtexturen geben einem nicht das Gefühl das man über unebene Untergründe holpert

Ein kleiner Zündfunken Hoffnung

Der Sound der Autos ist klasse und auf einer ordentlichen Anlage klingt es unfassbar füllend und mächtig diese Relikte der Rallyegeschichte um die Kurven zu zirkeln. Hier schreit ein aufgemotzter Hillclimb BMW E30 deutlich mehr als ein kleiner Mini aus den 60ern. Jedes Auto hat seinen charakteristischen Sound und auch die polternden Steinchen im Radkasten klingen authentisch. Auch ein Aufprall mit einem großen Felsen geht durch die Boxen bis ins Rückenmark und man merkt hier wie das Auto leidet. Was beim Sound wiederum negativ auffällt, ist der Soundtrack. Dieser hört sich in jedem Menü irgendwie immer gleich an, was nach kurzer Zeit bereits dazu geführt hat, diesen zu stummen.


Umfang

komplett ohne aufzufallen

22 Austragungsorte in 5 Disziplinen sorgen für reichlich Abwechslung

Die Standorte der Stages sind über den gesamten Globus verteilt und alle unterschiedlich. Vom hügeligem Hillclimb im trübem Rumänien, bis hin zur knallharten Rallye im eiskalten Sibirien. Jeder Ort fühlt sich anders an und die Streckenverhältnisse befahren sich unterschiedlich. Hier merkt man die Erfahrung von den WRC Spielen und das fühlt sich echt super an.  Die Auswahl der fahrbaren Boliden ist ordentlich und fahren sich an sich alle unterschiedlich. Nur was hier nach den ersten Metern extrem negativ auffällt, ist die Tatsache, das es sich mit einem Lenkrad schwammig und etwas unpräzise fahren lässt. Da es ja als Arcade deklariert wird, habe ich mein Fanatec schnell wieder ausgemacht und das Gamepad angeschlossen. Hier fährt es sich deutlich besser und man merkt jetzt auch bei den Fahrzeugen, das diese das tun was man möchte. Hier macht V-Rally 4 richtig Bock. Schnell eine Stage gewählt, in den Schalensitz des legendären Golf II GTI 16V geschnallt und ab geht die Post. Mitunter im Fuhrpark sind die bekannten Boliden des Rallyesports wie der legendäre Mini Cooper, der hecklastige Renault Alpine A110 oder auch der Edeldrifter 911 GT3 RS aus dem Hause Porsche. Es gibt auch elektrische Exoten, wie beispielsweise das Spurtmonster „PARISS S62“, die einen nahezu geräuschlos mit wahnwitziger Beschleunigung den Berg hoch schiessen.


Fazit

wird seiner Legende leider nicht gerecht

V-Rally 4 ist kein schlechtes Spiel, aber wenn man ein Dirt 4 oder WRC 7 (aus dem gleichen Studio wie V-Rally 4) hat, spielt man lieber das oder wartet auf Dakar 18 was sehr große Schatten voraus wirft. Falls nicht, sollte man warten bis es günstig angeboten wird, um ab und an mal eine kompromisslose Runde mit dem Gamepad zu drehen, egal ob online, gegen die Zeiten in den Ranglisten oder im Splitscreen. Wenn man keine großen Ansprüche stellt, Lust auf einen schnellen unkomplizierten Rallyeracer hat und einem die Story sekundär ist, der kann hier viel Spaß haben. Alleine den Suzuki SX4 Hillclimb auf der größten Hillclimb Strecke macht enorm Spaß, da das Auto extremen Schub hat und man sich immer wieder dabei erwischt, seine eigenen Grenzen zu überwinden, um doch nochmal ein paar Zehntel herauszukitzeln und in der Rangliste ein paar Plätze aufzusteigen.

V-Rally 4 ist seit dem 07.09.2018 für PS4 & Xbox One erhältlich. Eine PC Version erscheint am 25.09.2018 und eine Nintendo Switch Version ist für das vierte Quartal diesen Jahres geplant.

 

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